Was für ein Wochenende! Nachdem ich mich am Samstag noch als Möbelpacker unter Beweis stellen konnte, Sonntag früh dann noch kurz in die Firma fuhr und den firmeneigenen Zoo besuchte (wenn man schon mal da ist und ein bischen Zeit hat …) ging es pünktlich zum Anpfiff ins Stadion. Natürlich fieberte ich nach dem tollen Erfolg in Karlsruhe und dem Testspielsieg gegen Saarbrücken dem ersten Heimsieg entgegen. Jedoch kehrte nach den etwa 105 Minuten zwischen An- und Schlußpfiff so etwas wie Ernüchterung ein.
Ich hatte kaum meinen Stehplatz eingenommen, da schepperte es schon zwei mal am Lasten. Leider war das Geräusch von Leder auf Aluminium nicht das, was ich wirklich hören wollte. Es entrückte mir jedoch eine kleines “Hola!“. Ich hatte den Eindruck: “Wenn das so weitergeht, dann können wir heute wirklich was abräumen.” Denn bisher waren wir gegen die Erzgebirgler immer nur “zweiter Sieger”, wie es so schön heisst. Immerhin sind wir recht fulminant in das Spiel gestartet. Die erste Viertelstunde – oder auch 20 Minuten – waren wirklich klasse. Schöne Kombinationen, schnelles Spiel und verhältnismässig viele Torchancen ließen keinen Zweifel daran, wer hier heute Herr im Hause sein wollte. Jedoch sollten wir nicht mit einem Treffer belohnt werden, was zu schade war.
Nachdem wir in der ersten Hälfte kein Glück hatten, kam nach dem Seitenwechsel auch noch Pech dazu. Der gefühlte erste echte Angriff der Gäste führte dann auch gleich zu deren Führungstreffer. Ärgerlich! Zum Glück ließen sich die Jungs nicht hängen, spielten ihr Spiel aus Halbzeit eins weiter und erzielten zumindest den Anschlußtreffer. Ich hoffte dabei ja, dass nun der Knoten geplatz wäre, aber diese wurde dann doch nicht erfüllt. Nachdem der Trainer die beiden Wüstenläufer einwechselte war klar, dass er hier heute den Gegner mit einer Verwirrungstaktik bezwingen wollte. Die Flanken von N’Diaye landeten irgendwo hinter der gegenüberliegenden Aussenlinie, im Toraus, oder auf einem anderen Planeten. Auch der eingewechselte Gueye hat es geschafft trotz seiner genetischen Übervorteilung vollkommen blass zu bleiben. Ich will mich nicht zu weit hinaus lehnen, aber diese beiden Wechsel taten dem Spiel nicht gut. Das sieht auch die FR so:
Die eingewechselten Momar N’Diaye und Babacar Gueye brauchten genau 23 Minuten, um zu zeigen, dass sie in dieser Verfassung keine Hilfe sind.
via fr-online.de
Sehr positiv überrascht hat mich hingegen der Auftritt der Last-Minute-Verpflichtung Hleb. Dafür, dass er konditionell noch nicht ganz auf der Höhe sein soll, war er ganz schön agil und hat ein ums andere Mal die Gegenspieler stehen lassen. Und schnell ist er! Man, man, man. Hauptsache, er wird uns nicht im Winter von einem Bundesligaabsteiger mit viel zu überzogenen Etat und mit Aufstiegszwang weggeschnappt. Denn ich fand ihn als totale Bereicherung für das Spiel. Dank ihm haben m.M.n. auch Fillinger, Yelen und Stark so glänzen können. Die Rundschau hat das Spiel von Fillinger und Hleb genauer unter die Lupe genommen.
Pressesplitter
Die Zeitung mit den vier Buchstaben titelt wie immer schön polarisierend:
Jungs, ihr habt einen an der Latte!
Sind die Tore am Bornheimer Hang zu klein?
Das fragten sich viele beim 1:1 des FSV Frankfurt gegen Aue. Denn zweimal stand den Bornheimern der Pfosten und zweimal die Latte im Weg.
via bild.de
Nun ja, inhaltlich folgt nicht viel zum Spiel. Nur maue zwei Absätze hat der Aushilfs-Sportreporter sich aus den Fingern saugen können, hat aber wenigstens drei Zitate von der Konkurrenz oder vom sid abschreiben können.
Die Rundschau betrachtet das Spiel ein wenig ambivalenter:
Pfosten, Latte – dann kam noch Pech dazu
Trotz 70 Prozent Ballbesitz und 27 Torschüssen kein Sieg. Der stark aufspielende FSV Frankfurt vergibt mal wieder viele gute Chancen und muss sich gegen Erzgebirge Aue mit einem Remis begnügen.
[...]
Der stark aufspielende FSV, da gab es keine zwei Meinungen, hat an diesem schwülwarmen Nachmittag vor 3631 Zuschauern am Bornheimer Hang nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren. Allein die statistischen Erhebungen zu dieser rassigen und unterhaltsamen Zweitligabegegnung sprechen eine klare Sprache, die keinen Raum für Interpretationen lässt: Demnach hatte der FSV eine Ballbesitzquote von fast schon unglaublichen 70 Prozent, er gab 27 Schüsse ab und konnte 88 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mann bringen.
via fr-online.de
Das “Fachmagazin” Kicker indes fasst das Spiel wieder gekonnt kurz:
Fillinger rettet Frankfurt einen Punkt
Der FSV Frankfurt kam im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. Zwar dominierten die Hessen das Geschehen fast über die komplette Spieldauer, allerdings gingen sie dabei zu fahrlässig mit ihren Torchancen ob, so dass nach Königs glücklichem Führungstreffer für die Gäste lediglich ein Punkt heraussprang.
via kicker.de
Auch eine Regionalzeitung von der anderen Seite des Mains ist dem FSV nach seiner Leistung versöhnlich gestimmt.
Denn die Leistung der Frankfurter hatte vor 3 600 Zuschauern gestimmt, nur die Chancenverwertung nicht. „Der Sieg wäre sicherlich verdient gewesen“, sagte Trainer Hans-Jürgen Boysen mit Blick auf insgesamt vier Aluminium-Treffer seiner Mannschaft.
[...]
Die Zuschauer bekamen von Beginn an viel zu sehen, es boten sich Chancen auf beiden Seiten fast im Minutentakt. Der FSV hatte die spektakuläreren.
via op-online.de
Die FNP hingegen bescheinigt uns
Eine gefühlte Niederlage
Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt wartet weiter auf den ersten Heimsieg in dieser Saison, weil er sich für seinen hohen Aufwand einfach nicht belohnte. Die Bornheimer lassen beim 1:1 gegen Erzgebirge Aue wieder einmal zu viele Torchancen aus.
via fnp.de
Am Rande
Vollkommen unbeachtet von den Sportreportern der Region blieb jedoch der Fingerverlust auf der Südtribüne. Wie ihr Sicher mitbekommen habt, gab es bereits während (?) der ersten Halbzeit einen tragischen Unfall im N-Block: Es wurde ein Finger am Zaun verloren! Für Kondolenzien gibt es eine eigene Facebook-Gruppe.
Die Sache zeigt: Die Zäune sind nicht zum drauf rumklettern gedacht. Und wenn ihr es trotzdem tut: Seid wenigstens vorsichtig.
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