Die Messe ist gelesen

Da war er nun endlich: Der große Tag, dem wir lange entgegen fieberten. Es war die Chance, uns in Frankfurt zu beweisen, uns bei den Riederwäldlerischen Anhängern zu präsentieren. Doch führte dieser Tag zu einem anderen Ergebnis, als wir uns das vorgestellt hatten. Was folgt, kann das Wort “Ernüchterung” wohl auch nicht ganz erfassen. Aus der Derby-Euphorie sind wir brutal zurück geholt worden in die bittere Realität, die da heisst: Abstiegkampf. Und damit grüsst uns der graue Liga-Alltag, den wir auch im vierten Jahr nach der Rückkehr in die zweite Liga wieder aus der gewohnten Perspektive betrachten. Uns bleibt also, wie eh und je, nur noch nach oben zu schauen.

Das “Drum-Herum” stimmte, weitestgehend

Der Sonntag fing schon ziemlich mies an: Statt der vorhergesagten, hochsommerlichen Temperaturen, präsentierte sich das Wetter von seiner schlechteren Seite. “Zum Glück spielen wir unter einem Dach,” dachte ich mir. Normalerweise habe ich mich da ja nicht so, aber heute fand ich das wirklich gut.

Als ich dann am Hauptbahnhof in die Straßenbahn steigen wollte, kam pünktlich der marschierende FSV-Mob an. Stimmungsvoll, lautstark und aufmerksamkeitserregend marschierten die etwa 100 bis 150 Fans mit Polizei-Begleitung die Kaiserstraße hinab. Aus der Ferne war vielen nicht so klar, wohin dieser Fan-Mob gehörte und ich hörte von den Nebenleuten so Sprüche wie “Ach, schon wieder so ein paar Kaputte.

Als die Marschbewegung jedoch näher kam und man erkannte, dass es sich um schwarz-blaue Anhängerschaft handelte, war man ein wenig konsterniert – um nicht zu sagen: verwirrt. So wie ich das empfand, waren die umstehenden Passanten an der Haltestelle, überwiegend Eintrachtler, ziemlich beeindruckt. Von ihnen hatte wohl keiner damit gerechnet, dass der FSV tatsächlich richtige Fans hat, geschweige denn ins Stadion bringt.

Im Stadion angekommen, verlief eigentlich alles wie erwartet: Keine gegenseitigen Anfeindungen, keine Probleme beim Einlass, alles im grünen Bereich. Es war schön zu sehen, dass der Block schon vor Anpfiff gut gefüllt war. Das war sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass N- und O-Block nun in diesen einen Block zusammengewürfelt waren und sich die Menge nicht wie bei uns auf der Südtribüne so verlaufen konnte.

Die Choreo

Viel wurde ja gemunkelt vor den Spiel, es gäbe ein Choreo. Und es gab sie tatsächlich! Da ich nirgendwo ein bild von uns finden konnte, hier ein Foto von der Gegenseite.

Unschön fand ich die Pfiffe von der Westtribüne, als unsere Spieler zum Warmmachen auf den Platz kamen, aber das würde ich noch fast als “normal” betrachten. Insgesamt hat uns FSVlern glaube ich allen diese Kulisse mit über 50.000 Zuschauern und der zugehörigen – eigentlich durchweg positiven – Stimmung imponiert. Das schwenken der schwarz-blauen Fahnen zur Hymne sah auf dem Video-Würfel auch ganz gut aus. Vielelciht finde ich noch ein YouTube-Video oder ein Bild, dass ich hier posten kann.

Gutes Benehmen” definiert jeder anders

Wenig begeisterte mich auch, dass ein paar dieser so genannten “unverbesserlichen Idioten” im Oberrang über unserem Block ihren Platz gefunden hatten. Die Ganze Zeit flogen Papierbällchen auf uns herab – auch nach Abpfiff. Ich finde so ein wenig Gefrotzel ja ok, aber irgendwann ist’s einfach nicht mehr lustig. Und nach einem 4:0-Sieg sich dann noch so zu präsentieren – das kann wohl auch nur die große, tolle, supi-dupi, immer-wenn-sie-”Europapokal”-in-den-Mund-nehmen-gewinnen-sie-kein-Spiel-mehr Eintracht.


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105 Minuten Schrecken

Eigentlich fing das Spiel ja ganz gut an. Auch wenn mich überrascht hat, dass der Chancenkiller Gueye aufläuft statt Benyamina. Die erste Viertelstunde war ich noch überrascht, dass wir so ein hohes Tempo spielen konnten. Ich fragte mich, wie lange wir das wohl mithalten könnten. Aber knapp zwei Minuten später war dann klar: jetzt ist es vorbei mit dem Tempo.

Die erste Halbzeit war sehr, sehr schrecklich. Ich fand nicht, dass die Eintracht “klar überlegen” war. Ganz im Gegenteil: das 0:1 und das 0:3 waren mehr oder minder Dusel-Tore – vor allen Dingen, weil unsere Abwehr wohl einen halben Schritt zu lahm war und die schnellen Angriffe überhaupt nicht auf die Ketten gekriegt hat. Das 0:4 resultierte aus der meiner Meinung nach einzigen wirklichen Torchance, die die Eintracht hatte.

Der Elfmeter – ob nun berechtigt hin oder her – war zumindest umstritten. Es gibt wohl Schiedsrichter, die noch nicht Wissen, dass die Erde für Gekas eine ähnliche hohe Anziehungskraft hat, wie in Italien. Es gibt aber wohl genau so gut Schiedsrichter, die unseren Keeper für das Foul vorzeitig zum Duschen geschickt hätten. Was mir als Eintrachtler graue Haare bereit würde ist der umstand, dass er nicht mal die Bälle, die der Schiri als Abseits Pfiff – was zumindest gefühlt bei so ziemlich jedem Ballkontakt war, ausser jenem der zum Strafstoß führte – nicht verwandeln konnte. Schlimm für uns allerdings der Umstand, dass er trotzdem so oft alleine durchbrach und er nur Klandt vor sich hatte.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Eintracht in der zweiten Hälfte spürbar nachließ und nur noch die Führung verteidigte. Aber trotz (oder: wegen?) ihrer Angriffsbemühungen haben auch sie einfach nicht viel gebacken gekriegt. Vielleicht haben auch unsere Jungs einfach noch mehr aus sich rausgeholt?

Ich finde trotzdem, dass dies das beste Spiel der Saison bisher war. Auch wenn das Ergebnis über die Leistung hinwegtäuscht – aber das gilt für die gegnerische Mannschaft wohl genau so. Dazu muss ich aber sagen, dass ich unser Spiel in Ingolstadt nicht gesehen habe.

Der kicker fasst das Spiel in einem einzigen Satz ganz gut zusammen:

Die Eintracht bestimmte das Spiel ohne zu glänzen und wurde seiner Favoritenrolle gerecht.
via kicker.de

Aber es geht auch ausführlicher:

Wie vor fast 50 Jahren siegte die SGE mit 4:0. Der FSV wartet somit weiter auf den ersten Saisonsieg.

Die Bornheimer hielten bis zum Rückstand gut mit, doch dann übernahm die Eintracht das Kommando, zog beinahe einsam ihre Kreise und ging nach deutlicher Überlegenheit sowie effizientem Abschluss mit einer deutlichen Führung in die Pause. Die Bornheimer dagegen hatten jegliches Selbstbewusstsein eingebüßt und liefen der Musik hinterher. Nach dem Kabinengang investierte der FSV viel, war offensichtlich sehr bemüht, hatte aber nicht die Klasse und die Mittel um die übermächtige Eintracht nochmal in Gefahr bringen zu können. Mit zunehmender Spieldauer verflachte das Niveau zusehends, die Eintracht wurde etwas sorglos, der FSV blieb harmlos. Köhler aber schnürte seinen Doppelpack und stellte den 4:0-Endstand her.
via kicker.de

105 Minuten nach dem Anpfiff erliess uns der Schiri zum Glück aus diesem Grauen und Pfiff noch vor Einblendung der Nachspielzeit pünktlich ab. Wenigstens einer, der an diesem Tag ein wenig Mitgefühl mit uns hatte. Zwar hatte sich niemand von uns ernsthaft mit einem Sieg beschäftigt, aber so eine 0:4-Niederlage ist schon ziemlich bitter.


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kurze Spielerkritiken

Zum Schluß möchte ich mich noch kurz dazu herablassen, die Spieler bzw. Mannschaftsbereiche kurz zu kritisieren:

Über Patric Klandt brauchen wir wohl nicht reden. Er hat sein bestes gegeben, aber musste trotzdem vier mal hinter sich greifen. Seine Vorderleute haben ihn oft genug in die Bredouille gebracht.

Die Abwehr fand ich zu 75% ganz in Ordnung. Schlicke, Gledson und auch Texeira haben meiner Meinung nach ein ordentliches Spiel abgeliefert. Huber war auch nicht ganz schlecht, aber lange nicht so gut wie die anderen drei. In Summe haben sich jedoch alle vier zu viele entscheidende Fehler erlaubt. Es ist eben genau dieses Quentchen, was manchmal einfach den Unterschied macht.

Stark fand ich ganz stark, hat viele Bälle erobert, einfach weil er auch mal in den Zeikampf gegangen ist. Auch im Spiel nach vorne hin hatte er ein paar gute Ideen. Ich hoffe, er ist langfristig an uns gebunden. Yelen und Cinaz waren so lala. Nicht wirklich herausragend, aber auch nicht spielentscheidend schlecht.

Müller fand ich hingegen schon etwas schlechter. Okay, er hatte eine handvoll Ballkontakte – vermutlich, aber er machte zu wenig draus und es kam zu wenig von ihm. Gaus hingegen gehört für dieses Spiel das Gehalt gestrichen. Bis seine Nummer auf der Auswechseltafel aufleuchtete, hat man ja gar nichts von ihm gesehen.

Gueye wird wohl die tragische Figur dieses Spieles bleiben. Hätte er die Chance zum direkten Ausgleich genutzt … wer weiß, wie dann das Spiel ausgegangen wäre? Ich finde, es ist an der Zeit, dass ihn jemand in der Startaufstellung ersetzt. So langsam sollte er seinen Vertrauensvorschuß, der nur aus den Vereinsnamen seines Lebenslaufs stammt, verspielt haben. Ich meine: vier Tore in 45 Ligaspielen bei Aachen – wie soll der als einzige Spitze vorne klar kommen? Zum Glück ist er nur für ein Jahr ausgeliehen. Aber ich fürche bald, dass er aufgrund der Klausel “Alemannia Aachen übernimmt xx% des Gehaltes, wenn der Spieler mindestens x Pflichtspiele bestreitet.” uns noch weitere Chancen vergeben wird.

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Über Robert

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