Vielerorts wird derzeit der Niedergang unserer Mannschaft prophezeit, vom Mittelmaß ist die Rede, vom Beginn einer Krise – man hat sogar schon festgestellt, dass die Abstiegszone nur noch 10 Puntke weit weg ist.
Die FNP versuchte kürzlich, die Gründe für das Abrutschen festzuhalten, dem Sportreporter unterlief dabei jedoch ein kleiner Fehler:
Der psychologische Moment: Weil man sich im Moment noch im sogenannten Niemandsland der Tabelle bewegt, gehen möglicherweise nicht mehr alle Spieler aufgrund der vermeintlich so komfortablen Situation immer an ihre Leistungsgrenze.
via fnp.de
vs.
Mangelnde Cleverness: Statt in Cottbus mit Mann und Maus das 1:1 zu verteidigen, entblößten die Frankfurter am Ende ihre Abwehr, um noch den Siegtreffer zu erzielen. Und gingen am Ende leer aus. «Vielleicht haben wir in dieser Phase zu viel gewollt», so Stöver.
via fnp.de
Für mich hört sich das so an, als würde hier das Leistungsabrufniveau zwei mal vollkommen unterschiedlich bewertet und interpretiert – und das auf ein und derselben Seite. Oder ich hab das falsch verstanden?
In den Wesentlichen Punkten muss ich jedoch zustimmen:
- Die Gegner unterschätzen uns nicht mehr so stark und machen besonders unserem zentralen Mittelfeld das Leben schwer. Sie setzen die Ballverteiler Gjasula, Wunderlich und Cinaz gekonnt ausser Gefecht.
- Gerade bei diesen Dreien meine ich auch noch einen Leistungsabfall zu sehen. Vielleicht ist das aber nur Einbildung wegen des vorgenannten Umstandes. Ich glaube jedenfalls, dass genau diese drei bei Boysens “Brandrede” in der Pressekonferenz nach dem Karlsruhe-Spiel gemeint waren.
- Im Moment fehlt uns das Glück, kuriose Tore zu machen. Und dann kommt auch noch das Pech dazu, und der Gegner kugelt merkwürdige Dinger in die Maschen.
- Kaum Tore aus Standard-Situationen. Das gefühlt letzte war im Pokalspiel gegen Paderborn.
- Mangelnde Alternativen: Wir haben viele verletzte Spieler. Und die Zweitbesetzung … ist eben die Zweitbesetzung. Ist doch logisch, dass sie im Moment weder die Spielpraxis haben, noch von der Form her auf dem Niveau der Stammspieler spielen können.
Man muss aber einfach mal realistisch bleiben: Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Saison leiden wir hier unter Luxusproblemen deren Ursache die durch die fulminante Leistung in der Hinrunde geschürten Erwartungen sind. Wir sind eben (noch) keine der Top-Mannschaften der Liga. Das war uns doch die ganze Zeit klar!
Sicher: es fehlt uns im Moment genauso die Punktausbeute wie in den Spielzeiten zuvor. Aber wir könnten uns doch mit dem derzeit 11. Tabellenplatz durchaus zufrieden zeigen. Während wir jetzt jammern, dass wir binnen vier Spielen auf einem Abstiegsplatz landen könnte, haben wir vor einem Jahr zur gleichen Zeit noch gehofft, dass wir binnen vier Spielen die Abstiegsplätze endlich mal hinter uns lassen. Vor der Saison hätte doch niemand auch nur im Entferntesten damit gerechnet, dass wir mal in der oberen Tabellenhälfte zu finden sind! Es sind formal aber nur noch 6 Punkte nötig, um das eigentliche Saisonziel Klassenerhalt zu erreichen. Nur, weil wir jetzt mal in einem Tief sind, bedeutet das nicht gleich den Durchmarsch zurück in die Oberliga.
Die Enttäuschten, die schon vom Aufstieg geträumt haben, müssen jetzt feststellen, dass sie aus ihrem Traum herausgerissen werden – das scheint für viele schmerzhaft zu sein. Aber liegen für jene nicht einfach die Erwartungen viel zu hoch? Oder sind sie womöglich nur deshalb überhaupt bei uns gelandet? Was machen die Mainzer Anhänger, die nach der Hälfte der Hinrunde schon von der Schale geträumt haben? Die gehen doch nicht alle nach Dortmund, nur weil die “da oben” stehen. Und die, die es doch tun: gerne – und wehe ihr kommt wieder!
Klar, ich bin auch dafür, dass wir das früher schaffen, als erst am letzten Spieltag. Ich bin auch dafür, dass wir besser abschneiden, als Platz 15. Aber deshalb male ich nicht gleich den Teufel an die Wand und trauere um einen zerbröselnden Aufstiegstraum, den ich mir selbst eingeredet bzw. einreden lassen habe. Wir sind eben nur Mittelmaß. Denn wie heisst es so schön: Die Tabelle lügt nicht. Am 34. Spieltag kann man Bilanz ziehen, vorher ist das doch alles nur Spekulatius.
Wichtig ist jetzt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht durch das verblendete Gelaber einzelner beirren zu lassen. Wir haben gezeigt, was wir können – und dahin müssen wir zurück finden. Und ob wir nun am Ende Vierter, Sechster oder Vierzehnter werden, ist doch erst mal ziemlich unerheblich. Denn am Ende des Tages wird in Bornheim mit dem gleichen Wasser gekocht, wie überall anders auch.
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