Das kostet eine Mitgliedschaft in deinem Lieblingsfussballverein

Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr um diese Zeit diesen Beitrag schreiben. Aber damals wie heute fehlte mir der richtige Aufhänger. Vereinsmitgliedschaft – was soll das überhaupt? “Ich hab ne Dauerkarte, das reicht doch“, wird sicher der ein oder andere sagen. Ja, das mag manch einem genügen – aber ungeachtet dessen, und ungeachtet dem Fakt, dass die meisten Profifussballvereine zusätzliche Vorteile für Mitglieder (näheres dazu weiter unten) bieten, gibt es zwei Gründe, in einem Verein Mitglied zu sein.

Wer das ganz Vorgeplänkel nicht lesen möchte, kann direkt zur Übersichtstabelle weiterklicken.

Die aktive Mitgliedschaft

Um bei einem Verein mitspielen zu dürfen – sei es beim Fussball, beim Tischtennis, beim Schach oder meinetwegen auch Hallenhalma, muss man in der Regel Mitglied sein. Lizenzspieler der Profivereine müssen keine Mitglieder im Verein sein, glaube ich (bitte korrigiert mich, wenn ihr das besser wisst), aber im Amateurbereich auf jeden Fall.

Die passive Mitgliedschaft

Ist so ähnlich, nur ohne aktive Teilnahme am Sport o.ä.. Hier beschränkt sich die Mitgliedschaft im Wesentlichen darauf, dass man zu den Mitgliederversammlungen darf und dort über die Geschicke des Vereines diskutieren und abstimmen darf – das darf man als aktives Mitglied meistens auch.

Der Mitgliedsbeitrag

Jeder Verein erhebt für die Mitgliedschaft einen Beitrag. Er hat zwei Funktionen: Zum einen, um die Verwaltungskosten für die Mitglieder zu decken wie z.B. die Mitgliederkartei führen, den Mitgliedern Briefe zu schreiben, die Meldegebühren für Teilnahme an Spielligen zu begleichen usw. – das legt jeder Verein für sich selbst fest. Zum anderen als “Eintrittsbarriere” – oder anders formuliert: Damit nicht jeder einfach so dabei ist und die Mitglieder sich durch diese “Zuwendung” deutlich mit dem Verein identifizieren. Zusätzlich wird in den meisten Fällen einmalig eine Aufnahmegebühr fällig.

Die Herausforderung

Ich habe nun bei den 36 Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga sowie den 17 Vereinen der 3. Bundesliga (achtung Klugscheisser: da sind drei Amateurmannschaften in der dritten Bundesliga) recherchiert, wie hoch die einzelnen Mitgliedschaftsbeiträge für passive Mitglieder sind und was man dafür bekommt. Denn fast alle Vereine bieten ihren Mitgliedern über den o.g. Mitbestimmungsrecht hinaus weitere Vorteile an. Ich habe mich durch die jeweiligen Vereinshomepages durchgeklickt und nachgeschaut, welche Informationen hier zu bekommen sind.

Mitglieder sind wichtig für die Vereine

Die meisten Vereine haben direkt auf der Startseite irgendwo einen Link “jetzt Mitglied werden” – es scheint ihnen wohl irgendwie wichtig zu sein, weiter Mitglieder zu bekommen. Einige bieten auch direkt eine Online-Anmeldung per Webformular an, die anderen haben zumindest ein PDF zum herunterladen, ausdrucken, ausfüllen und per Post zurückschicken (im Fachjargon auch Medienbruch genannt, weil es psychologisch eine weiteres Hemmnis darstellt). Die SpVgg Unterhaching bietet eine Word-Datei zum Download an, genau wie Rot Weiß Ahlen, das finde ich nicht gerade professionell.

Familien sind Wilkommen

Was mir ziemlich schnell auffiel: Eigentlich bietet jeder Verein mittlerweile eine Familienmitgliedschaften für Mütter mit Vater und Kindern, Alleinerziehende mit Kind(ern) usw – der Fantasie sind dort keine Grenzen gesetzt – an. Ausserdem hat fast jeder Verein so eine Art … Nachwuchsmitgliederabteilung. Man könnte es auch “Kids Club” nennen – im Grunde ist es überall das selbe, heisst nur ein bischen anders. Fast überall sind Kinder bis 6 Jahre Beitragsfrei, sofern ein Elternteil im Verein bereits Mitglied ist.

Andere Mitgliedbeitragsermäßigungen

Jeder Verein bietet darüber hinaus besonderen Personengruppen eine Ermäßigung: Kinder und Jugendliche, Schüler/Studenten/Azubis, Wehr- und Zivildienstleistende und Rentner sind die Standardermäßigungsgruppen neben den Vollzahlern.

Nur ein Verein hat es ganz schlicht und übersichtlich gemacht und gesagt: 0 – 24 Jahre Alter ist eine Beitragsklasse, 25 – 64 die zweite und 65+ die dritte. Vereinzelt gibt es aber auch eine eigene Beitragsgruppe für Arbeitslose. Bei Union Berlin, FC St. Pauli, FC Carl-Zeiss Jena und Hansa Rostock z.B.. Eine Sonderrolle spielt hier der FSV Frankfurt: Sie bieten derzeit für Neumitglieder einen reduzierten Mitgliedschaftsbeitrag im ersten Beitragsjahr an – das ist eimalig unter den 53 Profiklubs im deutschen Fussball.


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Die Mitgliedschaft auf Lebenszeit

Einige Vereine bieten zudem eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit an. Dieser Mitgliedsbeitrag ist enorm hoch. Wobei … naja. Eigentlich doch nicht. Zumindest dann nicht, wenn man vor hat, mehr als 15 Jahre Mitglied zu bleiben. Meist ist dieser besondere Beitrag eine Fantasiezahl, die das Gründungsjahr repräsentiert. Bei Borussia Dortmund ist dieser Beitrag also 1909,- €, bei Schlkae 04 sind es 1904,- €, bei 1899 Hoffenheim eben 1899,- €.

Die Fernmitgliedschaft

Lobend erwähnen möchte ich noch weitere Profivereine: Diese erheben einen besonderen, ermäßigten Beitrag für “auswärtige” Fans. Das bedeutet, Fans, die ausserhalb eines bestimmten Radius’ der Heimatstadt des Vereins leben, zahlen weniger, als ein normales Vollmitglied. Dies sind FC St. Pauli, der 1. FC Nürnberg, der Karlsuher SC (im Aufnahmeantrag) und 1860 München.

Die Vereine kommunizieren zumindest im Web ihre Mitgliedsbeiträge offen. Auch wenn die unterschiedlichen Beitragsarten teilweise verwirrend sind, und es sogar innerhalb eines Vereins verschiedene Preismodelle (Alemannia Aachen) gibt. Was da genau im Einzelnen der Unterschied sein soll ist mir jetzt beim schnellen Datenerfassen nicht immer ganz klar geworden. Ich habe mir jetzt auch nicht die Mühe gemacht, jede einzelne Vereinssatzung zu studieren – das wäre über mein Ziel hinaus geschossen.

Jeder Verein will neue Mitglieder, manche aber eher halbherzig

Drei Vereine sind jedoch bei der Überschaubarkeit der Mitgliedsbeiträge ganz schlecht organisiert: Der 1. FC Heidenheim verrät nicht, was eine normale passive Vollmitgliedschaft kostet und Rot Weiß Ahlen erlaubt mir zwar, mich anzumelden, sagt mir aber nicht, wieviel Geld die dafür von mir haben wollen (Hallo Verbraucherschutz!). Bei der Eintracht Braunschweig war ich sehr froh, dass es eine Webseiten-eigene Suche gibt, denn anders hätte ich nicht gefunden, wonach ich suchte.

Und noch ein kleines Schmankerl am Rande: 1860 München wirbt noch heute für eine Mitgliederaktion aus 2008. Ist ja an sich nicht allzu verwerflich, wenn die Aktion längerfristig läuft, aber “Dann krall dir einen Löwen und bring ihn 2008 als Mitglied zum TSV 1860 München!” ist irgendwie merkwürdig, wenn 2010 doch fast vorbei ist. Zumal auf der Folgeseite dann die Rede von 2009 ist.

Die Fan- oder Fördermitgliedschaft

Viele Vereine – besonders aus Liga 1 – bieten neben der normalen aktiven und passiven Mitgliedschaft noch eine so genannte “Förder-” oder “Fanmitgliedschaft” an. Dabei gibt es durch alle drei Ligen weg zwei Formen. Einmal zu einem sehr viel höheren Jahresbeitrag, wobei dieser Beitrag meist in die Jugenabteilung gespendet (eben “Förderung“) wird und das Mitglied hierfür eine Spendenquittung erhält. Genannte Beitragssätze waren hier z.B. 300 oder 500 Euro. Neben natürlichen Personen (die ausschliesslich Vollmitglieder werden können), dürfen auch juristische Personen (z.B. Firmen oder andere Vereine) Fördermitlglieder werden.


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Die andere Fördermitgliedschaft ist teilweise erheblich günstiger als eine normale Vollmitgliedschaft. Das geht sogar so weit, dass einzelne Vereine wie SV Babelsberg sagen: “Fördermitglied kannst du werden, den Beitrag den du dafür zahlen willst suchst du dir selbst aus.” (siehe Aufnahmeantrags-PDF), ebenso bei Jahn Regensburg (PDF)

Dabei ist die Fördermitgliedschaft nur eine “Mitgliedschaft light“: Man bekommt zwar i.d.R. als Fördermitglied alle Vorteile eines normalen Mitgliedes, verzichtet aber auf die Mitbestimmungskomponente. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass oft Jugendliche unter 18 Jahren automatisch eine solche Fördermitgliedschaft (und nur diese) eingehen können.

Die weiteren Vorteile einer Mitgliedschaft

Über alle drei Profiligen hinweg sind eigentlich folgende Vorteile für Mitglieder durchaus üblich – auch wenn gerade die Drittligisten häufig mit der Nennung der Vorteile als Mitglied geizen:

  • Vorkaufsrecht und/oder Ermäßigung auf Dauerkarten
  • Vorkaufsrecht und/oder Ermäßigung auf Einzelkarten, Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten für DFB-Pokal-Spiele, internationale Spiele – und teilweise auch Auswärtsspiele
  • Ermäßigung auf Eintrittskarten der Amateuer-/U23-Mannschaft und der Jugendmannschaften – bei einigen wenigen sind diese Spiele für Mitglieder sogar frei
  • in der ersten Bundesliga gibt es für Vereinsmitglieder oft auch Sonderkonditionen für die Teilnahme an Auswärtsfahrten
  • sehr oft ist auch das Abo der Vereinszeitung oder Stadionzeitung im Mitgliedsbeitrag enthalten
  • für Neumitglieder gibt es meist ein kleines Goodie: Einen personalisierten Fanschal, einen Ansteckpin o.ä. Bei Werder Bremen kann jedes Vereinsmitglied einmalig in seiner Mitgliedschaft zwei Karten für Sitzplätze kostenlos erhalten.

Methodik der Erhebung

Natürlich braucht so eine Studienartige Veröffentlichung natürlich noch ein paar Hinweise zur Erhebung der Daten: Ich habe alle Vereinswebseiten am 7. Dezember 2010 besucht und sämtliche dort vorhandenen Informationen erfasst und in die Tabelle eingepflegt. Alles, was nicht auf der Webseite steht bzw. stand, ist nicht aufgeführt. Für den 1. FC Heidenheim und Rot Weiß Ahlen habe ich keine Jahresbeiträge auf den Webseiten gefunden.

Grundgesamtheit

In den drei Profiligen der DFL spielen insgesamt 56 Mannschaften. Darunter sind drei Mannschaften Reserverteams von Erstligisten (VfB Stuttgart II, Werder Bremen II und Bayern München II). Bei zwei Mannschaften konnte ich keine Informationen zu den Jahresbeiträgen finden. Damit beträgt die Grundgesamtheit n = 51.

Die Tabelle ist absteigend sortiert nach dem Jahresbeitag (beginnend mit dem teuersten). Der angegebene Jahresbeitrag ist jeweils der, den ich als neues Mitglied zahlen würde. Ich bin weder Azubi oder Student, noch Rentner oder schwerbehindert – ausser dem auch kein zweites oder drittes Familienmitglied, das dem Verein beitreten würde. Stand heute bin ich ein 28-jähriger, stink normale Vollzahler :-)

Die Mitgliederzahlen sind am gleichen Tag der jeweiligen Vereinsinfoseite auf kicker online entnommen. Es sei denn, auf der Homepage des Vereins stand eine aktuellere Zahl.


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Die Tabelle



Die ganze unübersichtliche Tabelle könnte ihr euch auch als PDF runterladen.

Fazit

Interessant zu bemerken, dass unter den teuersten 25 Profifussballvereinsmitgliedschaften bereits 9 – also mehr als die Hälfte – Drittligisten vertreten sind, aber gerade einmal nur 6 Erstligisten. Die meisten Erstligisten sind am unteren Ende der Tabelle zu finden – haben aber teilweise eine deutlich höhere Mitgliederzahl. Der Großteil (n=36) der Jahresmitgliedsbeiträge bewegt sich zwischen 60 und 100 Euro. 9 Jahresbeiträge liegen darunter, 6 darüber. Insgesamt kann man also von einer Gauß’schen Normalverteilung sprechen.

weitere statistische Werte (Klugscheissermodus extreme)
  • Mittelwert: 76,59 € (arithmetisches Mittel)
  • Standardabweichung: 28,67 €. Das bedeutet: käme ein neuer Datensatz “zufällig” in die Liste hinzu, liegt der Wert irgendwo zwischen (76,59 – 28,67) und (76,59 + 28,67). Die Jahresbeiträge von RW Ahlen und Heidenheim dürften also zwischen 47,92 € und 105,26 € liegen.
  • Quartile: unteres (Q1): 60,- €, mittleres (Q2, Median): 75,- €, oberes (Q3): 92,- €. Bedeutet: ein Viertel der Jahresbeiträge ist günstiger als 60,- €, die Hälfte ist teurer und billiger als 75,- €, ein Viertel ist teurer als 92,- € (heisst auch: drei Viertel sind billiger als 92,- €).

Insgesamt kann man sagen: je sportlich erfolgreicher ein Verein, desto günstiger der Jahresmitgliedsbeitrag. Als Finanzierungsinstrument kann dies aber kaum dienen. Denn selbst beim großen FC Bayern München kommen keine 10 Millionen Euro zusammen, wenn man allen Mitgliedern den teuersten Beitrag zugrunde legen würde.

Der FSV Frankfurt ist der Verein mit dem zweithöchsten Jahresbeitrag in allen drei Ligen. Ich wollte ja, wie eingehends erwähnt, schon letztes Jahr in einem Blog-Beitrag den Mitgliedsbeitrag zum Inhalt machen. Dafür hatte ich aber nur unter den Zweitligisten geschaut. Da wäre unser FSV einsam und ziemlich abgeschlagen an der Spitze gewesen, denn der nächst liegende Zweitligist ist Greuther Fürth – und der hat einen um 20% niedrigeren Jahresmitgliedbeitrag (anders herum gerechnet ist eine Mitgliedschaft im FSV um 25% teurer als im nächst günstigeren Verein).

Anderer Meinung? Dann sag’s mir – unten im Kommentarfeld hast du die Möglichkeit dazu.

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Über Robert

zynisch. meistens. in frankfurt lebender social-mediast aus berlin. und fsv frankfurt-dauerkarten inhaber.