Immer wieder hört man Gruselgeschichten über die prekäre Finanzlage von Vereinen im Profisport. Sei es nun das drohende Beinahaus der Arminia aus Bielefeld, die Pleite der Frankfurt Lions oder die Insolvenz von TeBe Berlin mit Zwangsabstieg.
Mir kommt es manchmal vor, als wäre es eine Unsitte einen Profisportverein unter den Prämissen eines (gewöhnlichen) kaufmännischen Betriebes zu führen. Sicher ist hierbei das Risiko einer der entscheidensten Faktoren. Anders formuliert ist es die ewige Gretchen-Frage: Schiesst Geld Tore? Bedeutet ein großes Investment in die Mannschaft und das Umfeld auch gleich einen großen sportlichen Erfolg?
Dies ist eine der umstrittensten Thesen – nicht nur im Fussball. Jedoch werden hier oft die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür einfach vernachlässigt. Nicht nur bei der Stammtisch-Diskussion um dieses Thema, nein, auch viel zu oft in den Managementetagen der Profi-Klubs! So lässt sich eine Beratungsfirma im Handelsblatt zitieren:
Wären sie normale Unternehmen, würde den Ligen in England, Spanien und Italien wegen enormer Rentabilitätslücken in den kommenden zwei Jahren der Bankrott drohen, vor allem wegen wahnwitziger Spielergehälter und Transferzahlungen.
via handelsblatt.com
Dennoch gibt es einige, wenige Vereine, die das mit dem Wirtschaften ganz gut hinbekommen. Unangefochten an Nummer 1 steht hier wohl der FC Bayern. Meiner Meinung nach der einzige Verein in Deutschland, der es versteht sportlich und wirtschaftlich wirklich erfolgreich zu sein – und das konstant auf höchstem Niveau. Und auch, wenn ich den FC Bayern nicht mag, Uli Hoeneß für äusserst unsympatisch halte und in Franz Beckenbauer das personifizierte “Ääääh, ja gut, äh…”-Gestammel sehe, fand ich diesen Beitrag im Handelsblatt höchst spannend. Er wagt nämlich einen Blick hinter die Kulissen des Millionengeschäfts und gewährt kleine Einblicke darin, wie der FCB sein Business betreibt.
Mehr als 153 000 Mitglieder hat der knallhart durchkommerzialisierte Club – so viele wie kein anderer Sportverein in Deutschland. Der Profibereich, die Bayern München AG, erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr inklusive Einnahmen aus der Arena die Rekordsumme von 350 Millionen Euro. Das ist fast doppelt so viel wie der Hamburger SV als zweitstärkster Verein schafft. “Die Marke Bayern München ist rund eine Milliarde Euro wert und damit einer der wertvollsten Clubs der Welt”, sagt Herbert Hainer, Chef des Sportartikelherstellers Adidas, der mit neun Prozent Aktienanteil an der Bayern AG beteiligt ist.
Die Bayern sind die Meister der Sponsorengewinnung und -vernetzung. Mit hoch professioneller Vermarktung holen sie das Maximum aus dem Verkauf von Werbebanden oder Fanartikeln heraus. Siegeswille auf allen Ebenen – zugleich ist die Finanzplanung konservativ und solide. Also alles prima an der Isar? Wie stabil ist das Fundament?
[...]
Gleichzeitig suchten immer mehr Unternehmen die Nähe zum Fußball. Das war ein langsamer Prozess, schließlich war der Kick lange Zeit alles andere als chic. Er galt als Malocher- und Unterschichtensport, nicht selten kam es rund ums Stadion zu Schlägereien. Das änderte sich in den Neunzigerjahren, als immer mehr Vereine zum Ärger vieler Fans die Stehplätze zugunsten teurerer Sitzplätze reduzierten, um auch Familien und Frauen anzulocken. “Uli Hoeneß hat es als Vorreiter geschafft, auch die Upper Class für den Fußball zu gewinnen”, sagt der Düsseldorfer Kommunikationsberater Frank Wilmes. “Mit dem FC Bayern hat er ein über alle Klassen hinweg vermarktbares Produkt geschaffen.” Die anderen Vereine hinkten Trendsetter Hoeneß und seinen Einfällen die meiste Zeit hinterher.
[...]
In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass die Liga für den Fall vorsorgt, dass Sky der Himmel auf den Kopf fällt. Längst besitzt der Dachverband Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Kölner Unternehmen Sportcast eine eigene Produktionstochter, die für Rechtenehmer wie Sky, Telekom, ARD und ZDF die Bilder aller Liga-Partien produziert.
Vor einem Jahr bereits beantragte die DFL in Hessen die Zulassung für einen eigenen TV-Kanal, der gegen Bezahlung alte Fußball-Matches aus einem 40 000 Stunden umfassenden Archiv zeigen soll. Insider wittern dahinter längst mehr als nur einen “History Channel” – der Kanal könnte die Grundlage sein für einen eigenen Bezahlsender der Liga.
[...]
Auf komplette Eigenvermarktung nach Vorbild der Münchner setzen aktuell nur 5 der 18 Erstligisten. Die Mehrzahl der Bundesligavereine beauftragt Vermarktungsagenturen wie Infront, Sportfive, IMG oder Ufa Sports. Borussia Dortmund etwa wird vom Trikot bis zum Ticketing vom Vermarkter Sportfive verkauft. Beim 1. FC Köln besorgt das IMG.
Die Agenturen kaufen den Vereinen Rechte komplett ab, treten also in Vorleistung. Für viele ist das attraktiv, fließt doch auf einen Schlag viel Geld in die Kassen, und der Aufwand ist geringer. Doch sie geben Tafelsilber aus der Hand: Die Vermarkter kassieren anschließend Provisionen von bis zu 20 Prozent, die Vereine machen sich von ihnen abhängig und können ihre Kundschaft nicht direkt pflegen.
Auch das ist eine Stärke der Bayern: Sie knüpfen ihr eigenes Netz aus Kontakten und Geschäftspartnern. So lädt der Verein drei Mal im Jahr seine Sponsoren zu Workshops ein. Dabei bekommen neue Unterstützer die Gelegenheit, sich dem Rest der Truppe vorzustellen. Die Treffen seien eine glänzende Gelegenheit zum Netzwerken, sagt ein Teilnehmer.
via handelsblatt.com
Ähnliche Beiträge:
- Ohne den Zehner geht's zum KSC
Meine Gebete wurden erhört! Wie der FR-Blog eben von der Pressekonferenz berichtet, bleibt unsere Schaltzentrale aus dem Mittelfeld – der...
