Memory-Spiele

Mannschaftsvorstellung und Showtraining zu Saisonbeginn 2010/2011
Schweißtreibendes Training zur Mannschaftsvorstellung 2010/2011
Bild © Block N

Am Freitag war es dann endlich soweit: Unsere neue Mannschaft für die kommende Saison wurde bei einem öffentlichen Training vorgestellt. Ein sich jährlich wiederholendes Prozedere am Rande der Unspektularität – mit Bierwagen.

Zugegeben, ich fand Fussballtraining ja schon immer doof. Ganz besonders in der Zeit, als ich selbst noch aktiv in der Kreisklasse (erst hier, dann dort) auf der linken Außenbahn den Rasen umpflügte. Wobei wir eigentlich mehr auf kreideumrandeten Ackerflächen kickten – aber das ist ein anderes Feld. Damals, mit 18, war sowieso alles anders ;-)

Ich habe mich pünktlich zum Halbzeitpfiff der Partie zwischen den Robben-Schützern und den Samba-Tänzern aus dem Büro verabschiedet. Mit dem Fahrrad vom Gallus den Main entlag zum Stadion nach Bornheim, eine angnehme Strecke. Wenn der Sommer weiter anhält werde ich die bestimmt öfter fahren. Das ist mir lieber, als mich mit dem RMV dort rüber zu quälen.

Leider brachte die Tour am Wasser entlang nicht die erhoffte Abkühlung. Knapp zwanzig Minuten später war ich leicht ölig am Stadion. Hier wehte auch kein Lüftchen. Ich dachte mir, man müsste ja schon ziemlich bekloppt sein, um bei der Bullenhitze draussen Sport zu machen – oder verdammt ehrgeizig. Oder beides. Ich trainiere – wenn man das so nennen kann – ja für den Frankfurt-Marathon, aber jetzt würde ich niemals laufen gehn, keinen einzigen Meter!

Unsere Profis sind ja geübt und stecken das weg

Hinter der Haupttribüne war schon alles aufgebaut: Ein Bierwagen, ein Fanshop-/Lagerverkaufsstand, auf dem Nebenplatz gab es noch eine Hüpfburg in Fussballform und so ein Dingens, wo man drin irgendwas mit einem Fussball machen konnte. Wenn ich als Ossi jetzt das Wort Selbstschussanlage in den Mund nehme, dann … ach verdammt, zu spät! Nein, ich glaube das war diese Schussgeschwindigkeitsmessanlage aus unserem grandiosen Halbzeitpausenspiel. Am Rande des Trainingsplatz war auch noch eine kleine Bühne aufgebaut, auf der später einige neue (und alte?) Spieler interviewt wurden.

Ein gut gelaunter Hans-Jürgen Boysen führt die Mannschaft auf den Trainingsplatz
Bild © Block N

Pünktlich (!) um 17:30 Uhr kam die Mannschaft aus der Kabine. Ein sichtlich gut gelaunter Chefcoach betrat zuerst den Platz, gefolgt vom Rest des Trainerstabs und der Mannschaft. Die Szene erinnerte mich an die alten DDR-Märchenfilme: Dem Kaiser folgt seine Hofschar. Und obwohl dieser Kaiser eigentlich ganz nett, freundlich und erfolgreich ist, gab es aus dem Publikum nur verhaltenen Applaus. Ein Applaus, als hätte jemand öffentlich einen Minderheiten-Witz erzählt und das Publikum traut sich nicht zu lachen, weil sie sich nach aussen hin schämen wollen. Immerhin 100 bis 150 FSV-Fans aller Altersgruppen wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen und haben dabei die Aussentemperaturen wohlwissentlich ignoriert. Vielleicht war es ja genau diese drückende Hitze, die ein wenig auf die Stimmung gedrückt hatte.

Nach einer halben Einlaufrunde im Mannschaftskollektiv begann dann auch sofort das Training. Offensichtlich war Drill-Instructor Boysen ein wenig gnädig mit unseren Jungs und wollte sie nicht allzu lange um den Platz oder an den Zuschauern vorbei scheuchen. Dannach wurde ein bischen für die Beweglichkeit um gelbe Hütchen geturnt, ein paar Passvariationen für die Technik geübt und zum Abschluss gab ein lockeres Trainingsspiel. Nach etwas mehr als einer Stunde, vielleicht eineinhalb Stunden, war der Auftritt der Mannschaft auch wieder vorbei.

Kurzes Verschnaufen mit Mikrofon im Gesicht

Neuzugang Marion Fillinger von Hansa Rostock im Interview
Neuzugang Mario Fillinger von Hansa Rostock im Interview
Bild © Block N

Während des Trainings hatte sich Moderater Marco Hochhaus immer mal wieder einen Spieler rausgegriffen und zum Interview genötigt aufgefordert. Bei dem einen oder anderen wirkte das ein wenig unbeholfen, was aber nicht wirklich unsympatisch war. Ich fand es gut, den einen oder anderen Neuzugang auch mal einem echten Gesicht zuordnen zu können – die meisten Portrait-Fotos, die auf transfermarkt.de oder ähnlichen Portalen umherschwirren, entsprechen ja überhaupt nicht (mehr) der Realität! Für Memory-Spiele eignen sich diese Bilder definitiv nicht, da ist so ein live-Bild mit quasi zum Anfassen um Längen besser. Ich bin immer schon froh, wenn ich einen unserer Spieler auch ohne Trikot schon in unsere Mannschaft einordnen kann.[Und zum Lernen der Rückennummern empfehle ich dieses Cheat-Sheet.] Insgesamt haben alle auf mich recht locker und entspannt gewirkt, es war kein Spieler dabei, der jetzt einen total verschüchterten oder überheblichen oder weltfremden Eindruck machte. Ich glaube, wir haben dieses mal eine wirklich gut zusammen passende Patchwork-Truppe bekommen.

Ich weiss gar nicht, ob die Spieler nach dem Duschen noch einmal raus kamen. So lange war ich nicht da. Und ich bin auch nicht so wirklich scharf auf Autogramme. Aber vielleicht kann ja jemand von euch dazu kurz berichten? Es gab ja später auch noch Public Viewing in der VIP-Lounge. Mich würde interessieren, was da noch los war!


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Über Robert

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