Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, weil jedes Wort, dass über das Spiel gesagt wird dieses viel zu hoch hebt, als es war. Ich war erneut sehr enttäuscht, nachdem uns ein Pflichtsieg und fliegende Fetzen versprochen wurden. Im grund haben wir zwei Punkte verloren. Dafür werde ich diesmal auch verstärkt in die Einzelkritik gehen.
Mir kam nicht der Eindruck, dass sich die Mannschaft sonderlich aufgerieben hat. Klar, es waren Temperaturen um die Null Grad – da macht Fussballspielen nicht sonderlich Spaß. Mein alter Fussballlehrer hat aber immer gesagt: “Wenn dir kalt ist, dann lauf doch mal – zum Ball, oder in Richtung Tor, oder so.”
Die Fans
Es klingt schäbig, aber ich muss ehrlich sagen: Die Senseless-Crew habe ich nicht wirklich vermisst. Zumindest, was die Stimmung angeht. Die Süd war durchaus aktiv – zwar nicht Stimmgewaltig, aber aktiv. Okay, gegen 100 Ahlener ist das ja auch kein Ding.
Was mir positiv auffiel war, dass die Haupt- und Gegentribüne auch immer wieder mal mitgemacht haben. Es könnte an der Zuschauerverteilung gelegen haben: Etwa je ein Drittel der 4.100 Zuschauer waren auf der Haupt-, der Süd- und Gegentribüne. Und so haben wir uns untereinander und gegenseitig angestimmt. Fand ich gut – so sollte das bei einem Heimspiel ja auch sein.
Das Spiel
Not gegen Elend – Pest oder Cholera, egal wie man es wendet: Nach diesem Spiel bin ich fest davon überzeugt, dass die Tabelle definitiv nicht lügt! Ich hatte den Eindruck, bei uns kamen überhaupt keine Pässe an. Nach vorne ging gar nichts, denn immer wenn jemand mit Ball nach vorne gerannt ist, kamen die Kollegen nicht mit, oder nicht hinterher. Genau so in der Rückwärtsbewegung. Schon die Spiele gegen Rostock und Oberhausen haben gezeigt (Augsburg habe ich nicht gesehen), dass wir mit einem schnellen Pass leicht zu überwinden sind. Hinzu kommt die richtig schwache Abwehr, die zu oft einfach nur Passiv in die Zweikämpfe geht und selten bis gar nicht versucht auch mal aktiv den Ball abzunehmen. Das bringt mich zum ersten Spieler.
Patric Klandt
Der einzige bei uns, der wohl den Beinamen Fussballgott verdient hätte. Wenn er nicht immer wieder die Dinger von der Linie kratzen würde oder hochriskant am Rande des Sechzehners die Fehler seiner Vorderleute ausbügeln würde, würden wir jetzt schon nach Sandhausen und Osnabrück fahren. Die Aussetzer und Stellungsfehler, die er immer mal wieder hat, gleicht er durch grandiose Reflexe und Paraden wieder aus. Darüber hinaus ist er in seiner Leistung bisher sehr konstant. Kicker-Note 3 finde ich leicht untertrieben – 2,5 wäre in meinen Augen gerecht.
Gledson
Gewinnt auch zunehmend an Konstanz. Hat aber noch viele geistige Ausfälle und Unaufmerksamkeiten. Gegen Ahlen ist mir aufgefallen, dass er nach Ballgewinn oft direkt das Spiel nach vorne gesucht hat – vergeblich. Eine unserer Kinderkrankheiten. Ausserdem streitet er im Strafraum mit Patric um die Lufthoheit, das ist ok. Wenn sich die beiden hier besser Absprechen würden, gibt’s weniger Zusammenstöße. Er hat das Zeug zum Abwehrchef, aber manchmal fehlt auch ihm ein wenig der Überblick (wie ich eben schon adeutete).
Nik Ledgerwood
Mit der Kicker-Note 4,5 noch gut bedient. Sah in jedem Zweikampf schlecht aus, hat sich immer überlaufen lassen. War mit seiner Aufgabe als Rechtsverteidiger vollkommen überfordert. Konnte ab und zu mal ein paar Flanken abblocken und zur Ecke klären, hat aber nicht einen einzigen Ball gewinnen können. Sollte bei der U23 Spielpraxis sammeln.
Markus Husterer
War völlig neben der Spur. Auch hier klappt die Absprache mit Gledson noch nicht richtig. Geht aber zielstrebig in die Zweikämpfe, nach vorne kam zu wenig.
Alexander Voigt
Leichte Leistungssteigerung im Vergleich zum Rostock-Spiel: kein Abseits-Tor und kein richtiges Tor verschuldet. In den Spielen gegen Bielefeld und in Oberhausen hatt mir das Zusammenspiel mit Kujabi gut gefallen. Die Auswechslung nach 35 Minuten habe ich nicht ganz nachvollziehen können, denn bis dahin war er nicht auffällig schwächer als der Rest des Teams. Jedoch als
Pa Saikou Kujabi
kam, war mir klar wieso. Er brachte ein wenig Schwung in das sonst so dröge Spiel. War sehr fleißig, ist viel gelaufen. Hat immer wieder versucht den Ball nach vorne zu treiben – aber stand dann dort allein auf weiter Flur und konnte selten was draus machen.
Pekka Lagerblom
Von ihm hatte ich im Spiel in Aachen denk Eindruck: der kann uns weiterbringen. War gegen Ahlen aber richtig schwach. Als Ballverteiler aus der Defensive war er nicht zu gebrauchen. Kein Pass kam an, hat sich immer wieder verrannt und die Bälle vertendelt. Aber ich sag auch hier: was soll er denn machen, wenn sich keiner anbietet? Sich alleine durchzuschlagen zu versuchen ist da die einzige Möglichkeit, aber hierfür ist er spielerisch einfach noch nicht wieder so weit.
Sead Mehic
Ähnliches Bild wie bei Lagerblom. Zwischen diesen beiden gibt es auch keine Abstimmung. Ich will gar nicht wissen, wie oft die fast übereinander gestolpert sind. Im Gegensatz zu seinem Nebenmann war er aber Ball- und Passicherer.
Cidimar
Sollte eine Abmahnung für das Spiel bekommen (Running Gag). Auch wenn er körperlich anwesend war, hat er nicht viel zum Spiel beigetragen. Statt sich mal ein wenig anzustrengen hat er schon aufgegeben den Bällen hinterher zu laufen, wenn die nicht mehr mit dem ausgetreckten Fuß zu erreichen waren. Sicher tun sich Brasilianer schwer bei Temperaturen unter 20°C zu spielen, aber das hier war gar nix! Hätte es eine Alternative gegeben, hätte ich ihn schon mit Voigt zusammen ausgewechselt. Mit der Kicker-Note 5 ist er noch gut bedient.
Jürgen Gjasula
Ja, der hat auch mitgespielt! Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, er soll bei uns der Spielmacher werden. Davon hab ich ja gar nix gesehen. Bis auf diese äusserst kreative Freistoßvariante, die für mich unter die Kategorie “Hacke-Spitze-eins-zwei-drei” fällt, war von ihm gar nichts zu sehen.
Sanibal Orahovac
Zurecht ausgewechselt. Konnte auch keine Akzente setzen, viel zu wenig Laufarbeit geleistet.
Matías Cenci
Hat – wie immer – alles gegeben. Lässt in meinen Augen in letzter Zeit aber zu oft seine argentinischen Wurzeln durchblicken. Er fällt zu oft und zu leicht. Er steht auch gerne mal einfach nur vorne drinnen und wartet auf die Bälle, die nie kommen – Mittelstürmer eben. Ich glaube, er wird langsam alt.
Soumaila Coulibaly
Hat fleissig trainiert, das merkt man ihm an! Hätte nicht gedacht, dass ich noch mal lobende Worte über ihn finde. Gegen Ahlen hatte auch er viel Laufarbeit und versucht, die Initiative zu ergreifen. Ich denke, wenn er weiter so macht, kann er auch das eine oder andere mal einen Treffer verbuchen, den tödlichen Pass spielen oder die Kopfballtorvorlage flanken. Fand auch das Zusammenspiel mit Kujabi auf der anderen Seite des Spielfeldes interessant – ich denke da kann sich was entwickeln. Wenn dann auch Lagerblom wieder zu seiner alten Form findet und Gjasula endlich mal anfängt Spiele zu machen (oder was macht man noch mal als Spielmacher?) fände ich das eine durchaus erfolgversprechende Grundaufstellung:
Klandt
Gledson – Husterer
Mehic
Coulibaly – Lagerblom – Kujabi
Gjasula
Cenci
Mein Fazit
Wir müssen schneller werden, sowohl in der Spielgestaltung als auch in der Rückwärts-/Vorwärtsbewegung. Wir spielen wie ein Haufen alter Männer! Das einer mit dem Ball noch vorne stürm und niemand mitläuft kann mal vorkommen – aber nicht jedes mal. Wenn wir die Genauigkeit der Pässe und Flanken verbessern und die Abstimmung und Raumaufteilung der Spieler untereinander verbessern, sehe ich gute Chancen noch ein paar Punkte zu holen. Ob uns das letztendlich vor Liga 3 bewahrt, steht auf einem anderen Blatt.
Am Freitag geht’s zum letzten Spiel in diesem Jahr nach Koblenz. Ich erinnere mich noch gut an die vergangene Saison: Hier drehten wir binnen 10 Minuten einen 1:0-Rückstand und gingen nach 90 Minuten ziemlich unerwartet mit 1:3 als Sieger vom Platz. Auch damals waren wir schon abgeschlagen auf vorletzter Position, allerdings mit 16 Punkten aus 18 Spielen. Dieses Maß werden wir in der laufenden Saison nicht mehr erreichen können, dennoch wäre ein Sieg vor der Winterpause ein schönes Weihnachtsgeschenk!
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